Unbekannter Nachbar Albanien

Mittlerweile bin ich ja schon ein "alter Hase" was Montenegro angeht. Also warum nicht endlich mal eine Tour nach Albanien wagen. Da ich ja jedes Jahr in Ulcinj meinen Jahresurlaub bei Freunden verbringe war ein Besuch in Albanien längst mal fällig - sind ja nur 30 Minuten bis zur Grenze. Ein Tagesvisum gibt es dort für 10 €. Und dann, das erste mal albanischen Boden betreten. Es ist erstaunlich wie wenig man doch eigentlich über dieses Land, das mitten in Europa liegt, weiß. Man erwartet bittere Armut, schlechte Infrastruktur und Rückständigkeit. Schließlich war Albanien bis 1993 komplett von der Außenwelt abgeschottet. Zwischen 1993 und 98 herrschte Bürgerkrieg im Land, es gab nächtliche Ausgangssperren und die Kriminalitätsrate war enorm hoch. Seit 2002 ist davon fast nichts mehr zu spüren. Natürlich ist Albanien noch immer ein verhältnismäßig armes Land, aber auch ein sehr interessantes. Es gibt unverhältnismäßig viele wunderschöne Restaurants (und Tankstellen!), die Hauptverbindungsstraßen sind sehr gut ausgebaut, und es gibt viel interessantes zu sehen. Vor allem die 200.000 Bunker im Land.

Es gibt zwei Größen von Bunkern in Albanien. Zum einen die ganz kleinen, wo höchsten ein oder zwei Soldaten reingepasst haben, und die großen. Dass die Bunker noch immer überall stehen hat zwei Gründe. Zum einen Sind sie so massiv gebaut, dass es beinahe unmöglich ist sie zu zerstören. Die Architekten der Bunker mussten sich rein stellen, und dann wurde mit Panzern und Grananten aus nächster Nähe darauf gefeuert. So wollte Enver Hoxha erreichen, dass sie wirklich "unzerstörbar" sind.

Zum anderen sind die Bunker natürlich eine einzigartige Touristenattraktion. Viele von den großen Bunkern werden von Bauern als Scheune oder "Lagerhalle" genutzt. In einigen sind sogar Bars eingerichtet.

Bemerkenswert ist auch, dass die Bunker nicht in erster Linie an den Grenzen Albaniens stehen, wie man vielleicht vermuten würde, sondern im ganzen Landesinneren verteilt sind.

Unser eigentliches Ziel war Tirana, die Hauptstadt Albaniens. Das erst was mir sofort auffiel war der irrsinnige Verkehr in dieser Stadt. Ungeheure Massen von Autos (bevorzugt alte Mercedes Benz) wälzen sich durch die Straßen. Alles fährt kreuz und quer, keiner blinkt und wir haben trotz allem keinen einzigen Unfall gesehen - unglaublich!!!

Das nächste was einem sofort ins Auge sticht sind die Häuser. Enorm viele Hochhäuser und alle knallbunt. Ich glaube alle Farben dieser Welt kann man in Tirana an den Häusern sehen. Es sieht total lustig aus.

Im Zentrum Tiranas waren wir auf dem Vodafone Tower, von wo man eine tolle Aussicht auf die ganze Stadt hat. Ganz oben befindet sich ein Drehrestaurant, und dort kann man prima einen Kaffe Trinken und in alles Ruhe die Aussicht genießen. Denn Tirana ist laut, und es riecht ziemlich streng nach Abgasen, was auch kein Wunder ist bei den vielen uralten Autos die dort fahren.

Als wir auf dem Aussichtsturm waren ist mir ein Soldat aufgefallen, der mit einem Maschinengewehr einsam in einem Garten stand. Man hat uns dann erzählt, dass dieser Mann den ehemaligen Wohnsitz von Enver Hoxha bewacht. Dieses Haus ist wohl das einzige, das von Hoxhas Regime noch übrig ist. Würde es nicht Tag und Nacht bewacht, würde man das wohl auch noch zerstören. Denn nach dem Tod des Diktators haben die Menschen aus Wut und Verzweiflung über die jahrzehntelange Misshandlung und Unterdrückung alles zerstört und demontiert was staatlich war. Selbst die Eisenteile von Industrieanlagen und Eisenbahnschienen wurden gestohlen und in Schmelzereien zu Geld gemacht. Aus dem Grund gibt es auch keine Eibenbahnlinie mehr in Albanien.

Skanderbek Platz im Zentrum Tianas

Bei strahlendem Sonnenschein haben wir dann noch zu Fuß das Regierungsviertel erkundet. Dort steht auch eine der eindrucksvollsten Moscheen - die El´hem Bey Moschee. Sie hat, anders als die Moscheen die ich bisher gesehen habe, im Innenraum wunderschöne Wandbemalungen und ist im Original erhalten. Was äußerst selten ist in Albanien, da lange Zeit striktes Religionsverbot herrschte und fast alle Glaubensstätten zerstört wurden.

 

El´hem Bey Moschee (erbaut 1794-1821)

 

Oper von Tirana

Am späten Nachmittag waren wir dann noch in einem wunderschönen Restaurant zum Essen. Es liegt mitten in der Stadt in einem Park und man vermutet gar nicht, dass man sich in einer Millionenstadt befindet. Bezahlen kann man übrigens in Albanien fast überall mit Euro - was äußerst praktisch ist.

Restaurant Juvemilia Castello

Alles in allem war es ein sehr schöner Tagesausflug nach Albanien, bzw. Tirana. Wer im Süden Montenegros Urlaub macht dem kann ich nur empfehlen unseren unbekannten Nachbarn Albanien zu besuchen. Es lohnt sich!!!