- Romantik 2002 -

September 2002 in Ulcinj. Seit Tagen regnet es fast ohne Unterbrechung. Das tut aber meiner Unternehmungslust keinen Abbruch. Ich setze mich mit einem Bekannten aus Ulcinj ins Auto und wir fahren los. Zuerst die wunderschöne Küste rauf bis Petrovac, dann weiter in die Berge. Im Schneckentempo kämpfen wir uns durch dichte Nebelschwaden. Je näher wir dem Skutari See kommen, umso mehr lockert die Bewölkung auf. Vorbei an Virpazar und dem von Seerosen umwucherten Ufer geht es gemächlich weiter nach Podgorica. Kurz vor der Hauptstadt biegen wir nach rechts ab, die Berge hinauf. Von dort oben bietet sich uns der erste schöne Anblick: Wir schauen auf eine riesige Hochebene umsäumt von den schwarzen Bergen - mittendrin Podgorica. 

Weiter geht es über eine relativ gut zu befahrende Straße Richtung Cetinje. Ca. 15 Kilometer vorher ein kleines fast nicht zu sehendes Schild: Rijeka Crnojevica. Der Weg dorthin erfordert schon etwas Mut und Geschick. Die Strasse, kaum breiter als mein Auto, windet sich in unzähligen Kurven durch absolut unberührte Wälder und kleine Olivenhaine. Etwa auf halbem Weg bietet sich einem der erste atemberaubende Blick auf das kleine Fischerdörfchen. Umgeben von dieser unberührten Natur, ganz unten im Tal, sieht man den Fluss glänzen und die kleine alte Brücke die ihn überspannt.

Nichts wie hin! Dem Himmel sei Dank: der einzige "Gegenverkehr" ist ein alter Bauer mit seinem Maulesel. Das erste mal in Rijeka Crnojevica. Der erste Eindruck ist ziemlich ernüchternd. Ein Dorf - halb verfallen und verlassen. Erst beim näheren Hinsehen wird mir die Schönheit bewusst. Wir fahren bis zur "jüngeren" Brücke, die mit drei Bögen den Fluss überspannt.

Dort finden wir eine Art Restaurant. Drei Männer sitzen dort und genießen den leckeren montenegrinischen Loza. Eigentlich ist geschlossen - wegen dem schlechten Wetter - aber dann bittet man uns doch herein. 

Wir sitzen direkt am Fluss, blicken auf den- selben, und können uns nicht satt sehen. Der wunderschöne Flusslauf der von der alten Brücke mit ihren drei Bögen überspannt wird, die Fischerboote am Ufer, die Nebelschwaden ziehen über´s Wasser. Der leichte  Nieselregen stört uns nicht. Auch nicht die diversen Trinklieder, die im Hintergrund von den Männern gesungen werden. Im Gegenteil! Das ist Montenegro!
Wir haben Hunger und gehen zu einem Fischrestaurant im Ort, das direkt am Fluss liegt. Erstaunlich ist, dass die Uferpromenade wunderschön hergerichtet ist, genauso, wie das Restaurant. Wo doch der Ort so verfallen ist! Wir sitzen überdacht im Freien, fast direkt am Wasser und genießen wunderbar zubereiteten Fisch.
Der Wirt legt Andrea Bocelli auf - der Himmel öffnet sich - die ersten Sonnenstrahlen des Tages! Es ist ein wunderschönes Bild. Die Sonne glitzert im Fluss vor der alten Brücke, die letzen Nebelschwaden ziehen vorüber, und am gegenüberliegenden Flussufer grasen zwei Pferde.

Wir können uns kaum losreißen, aber unser Weg führt uns weiter nach Cetinje, der einst so prächtigen Hauptstadt Montenegros. Ich war sehr erstaunt als wir durch die Stadt gingen. Als ich zuletzt vor vier Jahren dort war lag sie in einer Art Dornröschenschlaf: verlassen, heruntergekommen, tot. Jetzt findet man unzählige Cafes und Restaurants, das Leben ist in die "Geisterstadt" zurückgekehrt. Früher hätte ich gesagt: Cetinje ist langweilig. Heute sage ich: Cetinje ist in jedem Fall einen Besuch wert!

Weiter geht unser Weg durch das Gebirge des Lovcen wieder in Richtung Küste. Nachdem wir Njegusi passiert haben, in dem der berühmte montenegrinische Dichterfürst Njegos geboren wurde, öffnet sich - schön wie immer - die Boka Kotorska vor uns. Für mich der schönste Fleck auf Erden! Aber etwas ist anders diesmal. Der Zufall will es, dass der Tag dem Ende entgegen geht, und wir einen der wohl schönsten Augenblicke erleben dürfen. Ein atemberaubender Sonnenuntergang über der Boka!

Wir genießen den Augenblick so lange wie möglich, und fahren in der Abenddämmerung die Küstenstrasse entlang zurück nach Ulcinj. Noch einmal machen wir Pause um zu Abend zu essen in einer der wohl besten Pizzerien in Montenegro - im Utjeha in Busat zwischen Bar und Ulcinj. Ein perfekter Tag geht zu Ende. Ein Tag, den ich jedem wünsche, der in Montenegro seinen Urlaub verbringt!                                    ________________________________________________________________________________________ 

Restaurant "Stari Most" ("Alte Brücke")      www.turizamcg.com/restorani/rijekacrnojevica   

86000 Rijeka Crnojevica 
Tel: 086/39-429 Mob.Tel: 067/671-129

Restaurant - Pizzeria "Utjeha"   

Mob.Tel: 069/030-356 
www.utjeha.com