Geschichte von Ulcinj
Gegründet wurde Ulcinj etwa 500 Jahre v. Chr.
von illyrischen Stämmen.
Zum ersten mal erwähnt wird die Stadt im Werk „naturalis historiae“ von Plinius dem Ältern, und auch bei
Titus Livius, beides im 2. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung. Begründet wird die Einschätzung des Alters durch
zahlreiche historische und architektonische Funde aus der damaligen Zeit im Hinterland des heutigen Ulcinj.
Anfangs hieß Ulcinj Colchinium, im 2. Jh. V. Chr. Wurde es dann von den Römern in Olcinium
umbenannt. Nach der Teilung des Römischen Reiches fiel Ulcinj an die Provinz Prevalis im Östlichen Reich, und die Bevölkerung
nahm den christlichen Glauben an. Im Mittelalter genoss die Stadt eine autonome Verwaltung, an deren Spitze ein Fürst
regiert. Auch zahlreiche Mitglieder einflussreicher Familien lebten zu dieser Zeit in Ulcinj.
1421 wurde Ulcinj von den Venezianern erobert. Diese brachten in die
architektonische Stadtstruktur neue Elemente ein. Festungen, Stadttore und Türme wurden gebaut. Als 1571 die Türken
Ulcinj eroberten, kolonialisierten sie dort 400 algerische Piraten, welche fast im gesamten Mittelmeerraum Schiffe und Küstenstädte
angriffen und plünderten. Lange war die Stadt als Piratenstadt verschrien. Auch ein Sklavenmarkt wurde in dieser Zeit
gegründet. Aber Ulcinj war in dieser Zeit auch fast 100 Jahre lang (18./19. Jh.) der stärkste Umschlaghafen im
Mittelmeer zwischen Albanien und Italien.
Über 300 Jahre regierten die Türken Ulcinj. Dies bewirkte, dass sich die
Stadt „verwandelte“ – sie wurde orientalisch. Es werden neue Moscheen und Hammams (Badeanstalten) gebaut, oder
christliche Kirchen zu solchen umgestaltet.
Im Freiheitskrieg 1876-78 versuchten die Montenegriner Ulcinj zu erobern,
was ihnen auch gelang. Allerdings mussten sie die Stadt nach den Vereinbarungen des Berliner Kongresses wieder an die Türken
zurückgeben. Erst 1880, nach einem Abkommen über den territorialen Austausch von Städten und Gebieten zwischen
Montenegro und der Türkei, kam Ulcinj endgültig zu Montenegro. Die Türken zogen sich daraufhin aus der Stadt zurück,
und in ihre Häuser sind Albaner und Montenegriner eingezogen. 1881 wird im Hafen von Ulcinj die erst montenegrinische
Schiffsflagge gehisst.
Im Laufe des Ersten Weltkrieges wird Ulcinj 1916 von Österreich-Ungarn
und 1918 von Italien besetzt. Seit 1920 gehört es zu Montenegro/Jugoslawien.
Nach den Unabhängigkeitserklärungen von Slowenien, Kroatien, Bosnien und Mazedonien 1991/92, bilden Serbien und Montenegro zusammen am 27. April 1992 die Bundesrepublik Jugoslawien. Im Oktober 1997 gewinnt der pro-westliche Reformer Milo Djukanovic die Präsidentschaftswahlen in Montenegro. Seitdem gibt es im Land Unabhängigkeitsbestrebungen. Die Meinung der Bürger dazu ist allerdings geteilt.

Gravur aus dem Jahr 1606 von G. Rosaccio