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Nach langem Zögern
und Überlegen habe ich beschlossen in diesem Jahr mit dem eigenen Auto nach Montenegro zu
fahren. Wie sich herausstellen sollte, war das eine sehr gute Idee! Wir verliessen
Deutschland am Montag den 11.September und kamen - mit Zwischenübernachtung - am Dienstag
Abend, in der südlichsten Stadt Ulcinj, in Montenegro an.
Der Grenzübertritt war
vollkommen problemlos, obwohl wir kein Visum hatten, das ja eigentlich für Jugoslawien
erforderlich ist. Lediglich 30,- DM hatten wir als Versicherung für das Auto direkt an
der Grenze Debeli Brijeg zu zahlen.
Im Hotel Otrant, am wunderschönen und längsten
Strand in Montenegro (13km), wo ich vor zwei Jahren bereits Urlaub gemacht hatte, wurden
wir wie alte Bekannte empfangen. Das ist eines der schönen "Gefühle", die man
in Montenegro hat - die Leute erinnern sich an einen. Leider verbrachten wir nur die erste
Nacht in diesem Hotel, weil sie am darauffolgenden Tag geschlossen haben, mangels Gästen!
Es gab diesen Sommer einige Hotels in Montenegro, die gar nicht geöffnet hatten, weil es
keine Reservierungen gab. Sehr viele Leute, vor allem aus dem westlichen Ausland, haben
eben immer noch Angst, in "Jugoslawien" Urlaub zu machen.
Im Otrant hat man uns
aber am nächsten Tag ohne Probleme eine neue Unterkunft besorgt, nämlich das Hotel
Albatros in der Nähe der Altstadt in Ulcinj. In diesem Hotel, das in einem
Pinienwäldchen ca. fünf Gehminuten von der Altstadt entfernt liegt, waren wir für die
nächsten sechs Tage sehr gut untergebracht. Es lohnt sich übrigens um den Zimmerpreis zu
feilschen, denn es gibt für die Urlauber aus den verschiedenen Ländern auch
unterschiedliche Preislisten!
Nach zwei Tagen Autofahrt haben wir den restlichen Tag am
Velika Plaza, dem bereits erwähnten langen Strand, verbracht. Abends ging es dann zu
einem nahe gelegenen sehr guten Fischlokal names Lovac. Auch dort hat man sich an seine
"alten" Gäste sofort erinnert! Einfach ein schönes Gefühl!
Am nächsten Tag
haben wir dann unseren ersten Ausflug in Landesinnere zum Skutari See gemacht. Wir fuhren
auf einer sehr kleinen und auch nicht besonders guten Straße von Bar aus über das Rumija
Gebirge zum See. Ein gewisses Fahrgeschick war schon erforderlich, aber das sollte erst
der Anfang unserer "Straßenerlebnisse" sein. Diese Strecke erwies sich aber als
sehr schön, was die wunderschönen Berge und Hochebenen Montenegros betrifft.
Zurück zur
Küste fuhren wir dann die wesentlich bessere Straße von Virpazar nach Petrovac.
Auf dem
Rückweg nach Ulcinj wollten wir eigentlich noch die alten Ruinen von Stari Bar
besichtigen, aber leider war geschlossen. Später haben wir uns dann nach den
Öffnungszeiten erkundigt, und die Besichtigung nachgeholt.
Montenegro ist übrigens
übersäht mit Olivenhainen. Diese wunderbaren alten, knorrigen Bäume begleiten einen auf
jedem Weg. Den ältesten Olivenbaum auf dem Balkan findet man in Stari Bar. Die
Schätzungen seines Alters gehen bis zu 2500 Jahre!!!
Natürlich durfte auch eine
ausführlich Besichtigung Ulcinjs nicht fehlen. Die Stadt hat etwa 15.000 überwiegend
albanische Einwohner, und unterscheidet sich natürlich dementsprechend von den anderen
Küstenstädten Montenegros. Überall sind Moscheen zu sehen, und der tägliche Markt
gleicht einem Bazar. Vor allem der große Markt an jedem Freitag, an dem noch Bauern teils
in muselmanischen Gewändern aus dem Umland kommen, um ihre Waren zu verkaufen.
Auch die
Altstadt ist absolut sehenswert. Mächtig trohnt sie im unteren Stadtteil Ulcinjs am
kleinen Strand. Was diese Altstadt von anderen mediterranen unterscheidet ist, daß sie
eigentlich ein ganz normales Wohnviertel ist, ohne die üblichen Bars, Cafes und
Souveniergeschäfte. Lediglich ein paar Restaurants und zwei Hotels gibt es dort. Diese
Tatsache verleiht der wunderschön renovierten Altstadt ein besonderes Flair, und man muß
mindestens einmal dort gewesen sein, bei seinem Urlaub in Montenegro.
Unser nächster
Ausflug führte uns in die Hauptstadt Montenegros - Podgorica. Leider mußten wir
feststellen, daß dies eine Stadt ist, die man getrost auslassen kann auf seiner
Besichtigungstour durch Montenegro. Es gibt weder eine schöne Altstadt, noch irgendwelche
sehenswerten Gebäude.
Weiter führte uns der Weg Richtung Niksic zum serbisch orthodexen
Kloster Ostrog, das wunderbar, malerisch in 900 Metern Höhe in ein felsiges Gebirge
hinein gebaut liegt. Einziges großes Manko: die Straße, die ca. 8 km bergauf zum Kloster
führt. Sie ist etwa nur drei Meter breit und sehr schlecht befestigt. Man muß ständig
mit Gegenverkehr - auch mit Bussen - rechnen, und trotz der zahlreichen Buchten zum
Ausweichen, ist die Fahrt mehr als abenteuerlich gewesen. Sinnvoller ist es wohl, nicht
selbst rauf zu fahren, sondern sich unten in Bogetic ein Taxi zu suchen, da die
Einheimischen wesentlich besser vertraut sind mit solchen Straßenverhältnissen.
Wir
hatten sechs wunderschöne Tage unten in Ulcinj verbracht, wollten aber auch die Küste
weiter nördlich kennenlernen. Also verließen wir Ulcinj und fanden eine kleine und
einfache, aber sehr preiswerte Pension in Milocer, einem entzückenden, kleinen Ort
unterhalb Budvas.
Dort oben kam dann ein wenig die Ernüchterung, was die
Gastfreundlichkeit der Monteneginer betrifft. Zwar wurden wir überall absolut korrekt
behandelt, aber oft bekamen wir zu spüren, daß wir eben "nur" Europäer sind,
die im letzten Jahr auch an der Bombardierung Montenegros während des Kosovo-Krieges
beteiligt waren. Montenegro wurde damals versichert, sie würden weitestgehend verschont
bleiben von den Bomben der Nato. Und dann gab es doch etliche Bombardements, bei denen
auch zahlreiche Menschen ums Leben kamen. Versetzt man sich in die Lage der Montenegriner
ist es verständlich, daß viele enttäuscht sind. Aber ich bin fest der Überzeugung,
daß sich diese Meinungen im Lauf der Zeit wieder ändern werden.
Natürlich haben wir die
Hotelinsel Sveti Stefan und die Altstadt von Budva besichtigt. In Budva tobt das Leben!
Obwohl ja bereits Nachsaison war, brodelte es fast 24 Stunden am Tag in dieser sehr
schönen alten Stadt.
Unser letzter großer Ausflug führte uns nach Cetinje, dem Njegos
Mausoleum und über den Lovcen Paß zur Boka Kotorska. Die historische Hauptstadt Cetinje
liegt hoch oben in den karstigen Bergen.
Von dort aus sollte man auf jeden Fall rauf zum
Mausoleum fahren, in dem der berühmte montenegrinische Dichterfürst Peter II. Njegos
begraben liegt. In über 1600 Metern Höhe hat man einen sagenhaften Rundumblick auf die
märchenhaft schönen Gebirgslandschaften Montenegros.
Zurück in Cetinje fuhren wir
wieder zurück zur Küste. Diesmal über den Lovcen Paß in Richtung Kotor. Man sollte
aber auf dem Weg unbedingt in Njegusi, dem Geburtsort von Njegos, Halt machen, und eine
kulinarische Köstlichkeit der Region zu sich nehmen: den leckeren, geräucherten
Schinken. Direkt an der Hauptstraße im Ort gibt es ein Restaurant, in dem man sehr gut
Pause machen kann.
Fährt man dann weiter durch den Lovcen Nationalpark öffnen sich bald
die Berge, und man bekommt einen unbeschreiblich, gigantischen Blick auf die Boka
Kotorska. Die 32 km lange Bucht ist der südlichste, und einzige Fjord im Mittelmeerraum.
Der berühmte englische Dichter Lord Bayron hat über die Boka geschieben: "Als die
Perlen der Natur gesäht wurden, wurde an diesem Ort mit voller Hand zugegriffen."
Mir bleibt nichts hinzuzufügen! Man muß es "live" gesehen haben, um es zu
fühlen!
Zum Abschluß besuchten wir noch Kotor, das ganz am Ende der Boka Kotorska liegt.
Kotor gehört zum Weltkulturerbe der UNESCO. Die Altstadt hat mit ihren schönen Gebäuden
einen ganz besonderen venezianisch anmutenden Charme. Überall findet man alte Paläste
und Kirchen in den unterschiedlichsten alten Baustilen.
Nach zehn sehr interessanten Tagen
in Montenegro verließen wir dieses beeindruckende Land mit dem Gefühl, eine der wohl
schönsten Fleckchen in Europa besser kennengelernt zu haben.
Noch zu erwähnen wäre der
Verkehr in Montenegro. Seit dem Frühjahr 2000 hat die montenegrinische Polizei auf
wundersame Weise die gnadenlose Raserei unter ihre Kontrolle gebracht. Zwar gleicht das
Vorankommen mit dem Auto dem Tempo einer Schildkröte, aber bei den vielen Verkehrstoten,
die es in den letzten Jahren gegeben hat, ist das auch besser so. Es ist übrigens sehr
ratsam, sich an die Geschwindigkeitsbeschränkungen zu halten, sonst kann es teuer werden,
oder sogar den Führerschein kosten!!!
Ich hoffe, ich habe mit meinem Reisebericht ein
bißchen Ihre Neugier geweckt, und daß sich der ein oder andere im kommenden Jahr
entscheiden wird, auch mal in Montenegro Urlaub zu machen. Sollten sie Fragen oder
Wünsche haben - lassen sie es mich wissen. Ich werde Ihnen weiterhelfen, so gut ich kann!
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